Kollektive Arbeiten

Der internil – theaterverein zur untersuchung sozialer komposition��– arbeitet mit Materialien abseits gängiger Theatervorlagen: Architektur, Graffiti, Musik, Video, Fernsehen. Kennzeichnend für internil sind kontextbezogene und partizipative Arbeiten im Bereich Theater/Performance/Aktion. Wesentlicher Bezugspunkt ist seit der Gru��ndung der Gruppe die Lehrstücktheorie Bertolt Brechts.

ein altes Blatt
bruchstück für 4 Spieler
gymnastikvideos, schaufenster und franz kafka

zwitschermaschinen

Ein altes Blatt wurde öffentlich erarbeitet in leerstehenden Läden im Leipziger Stadtraum und verknüpfte das Nachturnen von Fitnessvideos mit Texten von Franz Kafka.

leipzigkarte

laeden

Alle zwei Wochen zogen wir in einen anderen leerstehenden Laden in Leipzig um, zappten uns quasi „schauturnend“ durch die Stadt.

internil Gymnastikvideos

Übersicht Materialbereich „Fitnessvideo“
Oben: Yoga Facial, Chi Kung – The Healing Workout, Gesunder Rücken
Mitte: Pilates for Dummies, Billys Bootcamp, Fit und aktiv gegen Osteoporose
Unten: Aerobic, Fit mit Barbie, Aktiv in den Tag (mit Sonja)

Das Publikum war eingeladen, sich an den Übungen zu beteiligen, die jeweiligen Orte und Termine wurden mit einer Plakat-Aktion und über Internet publiziert. Aerobic machende Imbißbudenbesitzer oder Barbie-Choreographien mittanzende Schaulustige vor den Schaufenstern waren die Folge. Für uns galt, dass nicht nur die Bewegungen, sondern auch die Kleidung und die Mimik den Originalvideos entsprechen mussten. Natürlich sprachen wir auch die Anweisungen mit („Ihr seid super! Ihr seht toll aus!“)

internil - Fitness

internil - Texte

Für die Erarbeitung der beiden Texte von Kafka stellten wir in Mimesis an den Autor vier „Originalhandschriften“ her, die sämtliche Streichungen, Einfügungen, Überschreibungen und Fehler der Urtexte enthielten. Ausgehend von diesem Material erarbeiteten wir für den kürzeren der Texte, „Ein altes Blatt“, eine Chorform, in der sich die vielen Korrekturen auf die einzelnen Sprecher verteilten, ohne dass die Sprechreihenfolge dabei festgelegt war. Die klangliche Gestalt dieses sich selbst fortwährend korrigierenden Chors war also jedes Mal anders. Den längeren Text, „Beim Bau der chinesischen Mauer“, zerteilten wir abschnittsweise in Bruchstücke, die in Umschläge verpackt von den Spielern einzeln wie Lose zu ziehen waren. Dieser Umgang mit der Textgestalt entsprach der kafkaschen Beschreibung des Mauerbaus, der – wie auch unser Videoturnen an immer neuen Orten – in vereinzelten Abschnitten von kleinen Arbeitsgruppen im Auftrag einer unbekannten Führung ausgeführt wurde. Jeder Spieler besuchte dafür einen öffentlichen Vortrag und reproduzierte im Folgenden Gestik, Mimik und Tonfall des Vortragenden für die Gestaltung der Textbruchstücke.

internil - Textarbeit

internil - Kuhturm

Das so erarbeitete Stück wurde im Februar 2008 in der Ladengalerie „Kuhturm“ in Leipzig-Lindenau uraufgeführt. Der Chor eröffnete den Abend auf ruhige Weise, Spieler und Publikum beobachteten während des Sprechens/Hörens die vor dem Schaufenster vorbeifahrenden Straßenbahnen und die Passanten. Es folgte ein anderthalbstündiger Parcour von Fitnessvideos und verteiltem Vortrag über den Mauerbau an vier Fernsehapparaten in drei Räumen. Spieler und Publikum waren ständig in Bewegung, wer von den Spielern nicht sprach, musste turnen. Die Anstrengung mündete in die Meditation aller vier Spieler vor einem Zen-Lern-Video: „Jeder Tag ist ein guter Tag“.

Informationen zu weiteren Arbeiten finden Sie unter www.internil.net